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Gerade die Kirche darf nicht wegschauen

Leserbrief von Maurice Bodmer

 

Einige Bürger wittern einen Skandal, weil die Kirchen die Volksinitiative «für verantwortungsvolle Unternehmen» unterstützt haben. Sie sollten in ihrem Sontagsbunker für die noch übrig gebliebenen Christen predigen, anstatt sich in die weltlichen Geschäfte einzumischen. Diese Vorwürfe sind diskriminierend, da sie versuchen, einen Teil der Bevölkerung, die Christen, vom demokratischen Diskurs auszuschliessen. Als Christ kann man sich aber freuen, dass die Kirchen doch einmal Stellung nehmen. Die Kirchen sind heute fast leer, weil sie viel zu oft geschwiegen haben, als sie unbedingt hätten protestieren sollen.

Als das Christentum noch praktisch «obligatorisch» war (1500–1700), schwiegen die Kirchen, als europäische weisse Christen in anderen Kontinenten Genozide, Sklaverei, Zwangsarbeit und die Zerstörung von lokalen Zivilisationen ausübten. Und es ging weiter mit dem Kolonialismus, der Apertheid, dem Kinderraub. Diese Initiative kommt gerade in einer Zeit, in welcher die Bevölkerungen der meisten Länder der Dritten Welt nach wie vor ausgenützt werden.

Maurice Bodmer, Nussbaumen


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