Bild: Johan Neven aus Borgloon-Gotem, Belgien – Sunglow Church, wikimedia.org
Januar 2026 (2. Korinther 4,7)

„Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefässen; so wird deutlich, dass das Übermass der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.“ (2 Kor 4,7)
Ich bin stolz auf die Kirche, wenn ich daran denke, dass wir zu den ersten gehörten, die das Wahlrecht für Frauen und Ausländer anerkannten; wenn ich am Gottesdienst von Kirchen teilnehme, die eine interkulturelle, internationale und mehrsprachige Gemeinschaft leben; wenn beim Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst neue Menschen spontan in Gespräche einbezogen werden; wenn ich die solide theologische Grundlage in den aus der Reformation entstandenen Kirchen sehe.
Doch zu Beginn eines neuen Jahres denke ich an den guten Vorsatz, nur ein Ohr für Kritik zu haben, damit ich nicht überwältigt werde. Die Kritik jener, die, wenn sie „Kirche“ hören, Altmodisches verstehen; derjenigen, die eingeladen, einzutreten, sagen, wir seien „out“, ausserhalb der Zeit; die vielen Spaltungen innerhalb religiöser Gemeinschaften oder sogar Machtmissbräuche in Räumen, die als Orte der Liebe gedacht sind.
Es entsteht der Wunsch, mehr zu verstehen, um handeln und immer wieder reformieren zu können. Stolz ist eine fragile Sache in den Kirchen der Reformation. Sie kennen nur zu gut die Notwendigkeit, sich ständig zu reformieren. Vielleicht ist es gerade dank dieses Wissens möglich, dass Gott seine aussergewöhnliche Kraft immer wieder auch in ihnen entfalten kann.
Euer Pfarrer Herbert